Nach der Hochzeit

Nach der Hochzeit

Erscheinungsdatum: 2017 ?
Originaltitel: „After the Wedding
2. in der Worth Serie

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Die Worth Serie

1.Es war einmal ein Marquis“ | 2.Nach der Hochzeit

„Wenn ich [Milans] Bücher lese, weiß ich, dass nicht nur etwas Gutes auf mich zukommt, sondern etwas Hervorragendes, Außergewöhnliches und Tiefgründiges.“

—Sarah Wendell, Smart Bitches, Trashy Books

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Aus Kapitel Eins

Lady Camilla Worth hatte von Hochzeit geträumt, seit sie zwölf Jahre alt gewesen war.

Es musste eigentlich gar keine Hochzeit sein. Es musste nicht romantisch sein. Manchmal malte sie sich aus, dass eines der Mädchen, deren Bekanntschaft sie machte – wie kurz auch immer –, ihre gute Freundin werden würde und sie einander lebenslange Treue versprechen würden. Als sie in Leeds gewohnt hatte, hatte sie davon geträumt, für eine ältere Frau, die drei Häuser weiter lebte, Gesellschafterin zu werden – nein, mehr so was wie eine Ersatz-Enkelin.

„Was würde ich nur ohne dich anfangen, Camilla?“, würde die alte Mrs Marsdell sagen, während Camilla ihr ans Herz wuchs.

Aber die alte Mrs Marsdell hatte nie aufgehört, sie mit einem argwöhnischen Stirnrunzeln zu betrachten, und Camilla hatte ihre Sachen packen müssen und war an eine andere Familie weitergereicht worden, lange bevor sie die Gelegenheit erhalten hatte, jemanden für sich einzunehmen.

Das war alles, was sie je gewollt hatte: ein Mensch, nur einer, der versprach, sie nicht zu verlassen. Sie brauchte keine Liebe. Sie brauchte keinen Reichtum. Nachdem sie neunmal ihre Sachen gepackt hatte und in Züge gestiegen war, schwankenden Waggons getrotzt hatte oder sogar einmal sieben Meilen mit ihrem alten Koffer in der Hand zu Fuß gegangen war … nach neun verschiedenen Familien wäre sie mit etwas Toleranz und dem Versprechen, dass sie immer einen Platz haben würde, an dem sie bleiben könnte, zufrieden gewesen.

So kam es, dass sie natürlich auf eine Ehe hoffte. Nicht so, wie sie es vielleicht als Kind getan hatte, mit Träumen von weißen Rittern und Häusern, die sie leitete und für die sie Porzellan und Wäsche kaufte. Sie hoffte nur ganz grundlegend.

Alles, was sie wollte, war, dass jemand sie erwählte.

Da sie sich so wenig erhoffte, hatte sie geglaubt, dass sie nicht enttäuscht werden könnte.

Womit nur wieder bewiesen war: Das Schicksal hatte einen Sinn für Humor, und es war launisch.

Denn hier stand Camilla an ihrem Hochzeitstag. In ihrer Hochzeitsnacht, wenn man es genau nahm. Ihr Kleid war nicht weiß, wie Victorias es gewesen war. Nun, eigentlich trug sie immer noch die Schürze aus der Spülküche. Sie hatte keine Aussteuer, keine Ahnung, was für ein Zuhause – wenn überhaupt eines – sie erwartete. Und es war ihr dennoch gelungen, ihre Träume zu verpassen.

Das Gesicht ihres Bräutigams lag im Schatten. So spät am Tag diese Hochzeit auch stattfand, in dieser besonderen Nacht warfen die paar Kerzen, die im Kirchenschiff brannten, eher Schatten als Licht. Er zog seine Manschetten zurecht, die sich grellweiß von seiner dunklen Haut abhoben, und verschränkte missbilligend die Arme. Sie konnte seine Augen in der Dunkelheit nicht sehen, aber seine Augenbrauen waren in unglücklicher Resignation zusammengezogen.

Es wäre womöglich sogar romantisch gewesen – denn es gab Deutungen von „romantisch“, die närrisch mit Spaß verschmolzen –, einen Mann zu heiraten, den sie erst seit drei Tagen kannte. Und was sie von dem Bräutigam wusste, war nicht schlimm. Er war nett zu ihr gewesen. Er hatte sie zum Lachen gebracht. Er hatte sogar einmal ihre Hand berührt, woraufhin ihr Herz ins Stolpern geraten war.

Es hätte romantisch sein können, wenn da nicht eine kleine Kleinigkeit gewesen wäre.

„Adrian Hunter“, sagte Bischof Cantrell, „nimmst du Camilla Worth zu deiner angetrauten Ehefrau? Wirst du sie lieben, trösten, ehren und beschützen, allen anderen entsagen, ihr treu sein, solange ihr beide lebt?“

Über das Kleid hätte sie hinwegsehen können, die Aussteuer und alles andere auch. Über alles außer …

„Nein“, sagte ihr Bräutigam. „Ich bin mit dem hier nicht einverstanden.“

Das eine kleine Ding. Wie alle anderen auf der Welt wollte ihr zukünftiger Ehemann sie nicht.

Hinter ihnen hob Pfarrer Daniels die Pistole. Seine Finger schimmerten im Kerzenschein gespenstisch weiß auf dem Griff.

„Es ist egal, was Sie sagen“, erwiderte der Mann. „Sie werden einwilligen, und Sie werden im Kirchenregister unterschreiben, verdammt noch mal.“

„Ich tue dies unter Zwang.“ Seine Worte klangen knapp und harsch. „Ich bin nicht einverstanden.“

Camilla konnte ihn noch nicht einmal als ihren Verlobten bezeichnen. Das setzte Heiratswillen voraus, und den ließ er vermissen.

„Es tut mir leid“, flüsterte Camilla.

Er hörte sie nicht. Vielleicht interessierte es ihn auch nicht.

Es hätte sie nicht gestört, dass er sie nicht liebte. Sie wollte gar keine weiße Spitze oder Hochzeitskuchen. Aber dies war keine Hochzeit, nicht wirklich. Sie wurde wieder wie ein unerwünschtes Gepäckstück verschnürt und an den nächsten Ahnungslosen weitergeschickt.

Nachdem sie weitergereicht und weitergereicht und weitergereicht und wieder weitergereicht worden war, hatte sie nach all diesen Jahren keine Illusionen mehr darüber, wie es dieses Mal ausgehen würde.

Das Kerzenlicht ließ Mr Hunters Züge noch dunkler erscheinen, als sie es in der Sonne gewesen waren. In der Sonne hatte er sie schließlich angelächelt.

Jetzt lächelte er nicht.

Es war so weit. Camilla wurde verheiratet, und ihr Ehemann wollte sie nicht.

Ihre Lungen fühlten sich zu eng an. Ihre Hände zitterten. Ihr Korsett war nicht einmal fest geschnürt, aber trotzdem schien sie keine Luft bekommen zu können. Kleine grüne Punkte erschienen vor ihren Augen. Sie tanzten, wirbelten im Kreis.

Nicht ohnmächtig werden, Camilla, ermahnte sie sich selbst. Nicht ohnmächtig werden. Wenn du ohnmächtig wirst, lässt er dich am Ende zurück, und was soll dann aus dir werden?

Sie wurde nicht ohnmächtig. Sie atmete. Sie sagte Ja, und die Punkte verschwanden. Es gelang ihr, auf dem Weg zum Kirchenregister bei Bewusstsein zu bleiben. Sie tat alles, außer den unwilligen Bräutigam anzuschauen, dessen Leben so gewaltsam mit ihrem verknüpft worden war.

Sie folgte ihm hinaus in die kalte Winternacht. Es würde keine Feier geben, kein Hochzeitsessen. Hinter ihrem Rücken hörte sie das Klirren von Münzen, als der Bischof sich an Mr Hunter wandte.

„Es gibt einen Gasthof, eine Meile von hier entfernt“, sagte der Mann. „Sie vermieten Ihnen vielleicht einen Raum für die Nacht. Aber erwarten Sie nicht, dass ich Ihnen eine Empfehlung gebe.“

Mr Hunter erwiderte nichts. Er begann einfach die Straße entlangzugehen.

So also verließ Camilla die zehnte Familie, die sie bei sich aufgenommen hatte: zu Fuß, um elf Uhr in der Nacht. Es war kühl, und der Mond stand hoch am Himmel. Sie musste laufen, um Schritt zu halten mit ihrem frischgebackenen … Ehemann? Sollte sie ihn als ihren Ehemann bezeichnen?

Seine langen Beine trugen ihn rasch davon. Er schaute sie nicht an.

Aber auf halbem Weg zum Gasthof blieb er stehen. Zuerst dachte sie, er würde endlich mit ihr sprechen. Stattdessen ließ er sein Bündel zu Boden fallen und blickte zum Mond empor.

Er ballte seine Hände zu Fäusten. „Verdammte Scheiße.“ Er sprach leise genug, dass nicht auszuschließen war, dass sie das eigentlich gar nicht hören sollte.

„Mr Hunter?“

Er drehte sich zu ihr um. Sie konnte immer noch nicht seine Augen sehen, aber sie konnte ihren Blick auf sich fühlen. Er hatte seine Stellung verloren und eine Frau bekommen, alles binnen weniger Stunden. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er glücklich darüber war.

Er atmete aus. „Vermutlich ist das … was es nun mal ist. Wir werden dieses Durcheinander morgen früh entwirren.“

Der Morgen. Nach der Hochzeit kam die Hochzeitsnacht. Camilla war nicht naiv. Sie war nur einfach nicht bereit.

Wie hatte ihr Leben nur an diesen Punkt gelangen können?

Ach ja. Es hatte vor drei Tagen begonnen, als Bischof Cantrell mit Mr Hunter im Schlepptau auf ihrer Türschwelle erschienen war …

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